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Ein weißer Ballon für „Blue Planet“ [UPDATE: inkl. Videos]

05. Juni 2010

Bühne des Landesstudios Oberösterreich mit Landesrat
Rudi Anschober (1.v.l), Alexander Soucek (2.v.l)
und Gernot Grömer (3.v.l)

Unter einer großen halbdurchsichtigen Folie zischt es. Wer genau hinsieht, kann darunter zwei Gestalten am Boden liegen sehen. Daneben stehen einige Helfer in roten T-Shirts und halten die Folie gerade so weit hoch, dass zwei Kameramänner von Bildungs-TV und PlanetLife-TV sowie ein Fotograf mit ihren Geräten hineinlugen können. Rundum sammeln sich die ersten Neugierigen. Sie haben Sackerl mit Obst und Gemüse oder Töpfe mit Sonnenblumen am Arm. Es ist Markttag auf dem Platz beim Linzer Südbahnhof und es ist bereits heiß hier um 11 Uhr vormittags.

Auf einer eigens aufgebauten Bühne des Landesstudios Oberösterreich erklären Gernot Grömer (ÖWF Vorstand) und Alexander Soucek (ÖWF, ESA, Erdbeobachtung), welches Ereignis heute den Höhepunkt der Veranstaltung des Oberösterreichischen Akademie für Umwelt und Natur zum WELTUMWELTAG 2010 markieren wird. Das Österreichische Weltraum Forum wird einen sogenannten Stratosphären-Ballon steigen lassen. In einer schwarzen Kiste, die er mit sich in die Höhe nimmt, wird sich eine Videokamera befinden, die ihre Bilder live auf einen Großbildschirm auf der Bühne übertragen und uns Linz und Umgebung von oben zeigen wird.

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Erdbeobachtung erklärt von Alexander Soucek & Gernot Grömer

Bereits seit 9 Uhr früh tummeln sich interessierte Zuhörer aller Altersstufen zwischen den Plakaten der Klimaschutz-Ausstellung der Oberösterreichischen Akademie für Umwelt und Natur. Diese ist eine Einrichtung des Landes Oberösterreich und konzentriert sich auf fachübergreifende Umwelt- und Naturschutzthemen wie nachhaltige Entwicklung, Umweltbildung, Naturvermittlung und Klimaschutz. Für den diesjährigen Weltumwelttag lautet das Motto in Oberösterreich: "Blue Planet - Es geht um's Ganze".

Auch die Europäischen Weltraum Agentur (ESA) ist mit Info-Tafeln vertreten, die über den Sinn und Zweck von Erdbeobachtung mittels Satelliten informieren. Dafür steht dort sogar das extra eingeflogene Modell eines Umweltsatelliten der ESA. Es soll Cryosat sein, der da in der Sonne glänzt, in silbernem Metall und orange glänzender Folie. Den besten Aussichtsplatz in dem Trubel haben einige Mitglieder des Österreichischen Versuchssender Verbandes (ÖVSV), die auf dem Dach eines Marktstandes stehen und dort ihre Empfangsanlage aufbauen.

Ein paar Meter entfernt zischt es immer noch unter der Folie, aber mittlerweile sieht man nichts mehr von den Leuten am Boden. Sie werden von einer riesigen gelblichen Kugel verdeckt, die immer größer und immer heller wird. Es ist der 1000 Gramm schwere Latexballon, in den die ÖWF-Mitglieder Willibald Stumptner und Sebastian Sams etwa 2500 Liter Helium einfüllen. Damit ist der Ballon inzwischen auf fast zwei Meter Höhe und mehrere Meter Umfang angewachsen und muss schon sehr gut festgehalten werden, damit er nicht vorzeitig abhebt. Daneben steht schon Michael Taraba, PolAres Ballon Projektleiter, mit einer großen schwarzen Box bereit, in dem die eigentliche Nutzlast verborgen ist – eine kleine Videokamera samt Akkus und einem Funksender zur Übermittlung der Videosignale. Zwischen diese sogenannte Gondel und den Ballon werden noch ein Fallschirm und ein Radarreflektor montiert. Letzterer ist von der Flugaufsichtsbehörde vorgeschrieben, damit man das Flugobjekt mittels Radar orten kann. Ein Anruf bei der AustroControl am Flughafen Linz muss auch noch sein. Es gibt ein „GO“ - bis auf einen gelben Rettungshubschrauber gibt es in der nächsten halben Stunde keinen Flugverkehr über der Stadt.

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Countdown

Mittlerweile hat sich auch Umweltlandesrat Rudi Anschober am Marktplatz eingefunden. Umringt von zahlreichen Schaulustigen und Kindern mit Luftballons gibt er um 11 Uhr 10 das offizielle Startsignal für „Passepartout IV-environment“. Die Menge zählt gemeinsam den Countdown von zehn rückwärts. Allein der Ballon spielt nicht mit und die Gondel bleibt vorerst am Boden. Das Team des Österreichischen Weltraum Forums füllt noch ein paar hundert Liter Helium in den mittlerweile weißen Ballon und die Menschenmasse beginnt den zweiten Countdown. Aber auch diesmal gibt’s keinen Abflug, Passepartout will sich partout nicht von seiner Halteleine trennen. Ein paar Handgriffe später ist es dann endlich soweit: Um 11 Uhr 25 entschwebt unser „Himmelsstürmer“ beinahe in Zeitlupe in den stahlblauen Himmel und ist noch lange gut sichtbar.

Gleichzeitig mit dem Start können wir auf der Großbildleinwand bereits die ersten Bilder sehen: Linz von oben! Zuerst der Marktplatz, dann die ganze Stadt, schließlich der Flughafen, die Autobahn und das Linzer Umland. Nach 20 Minuten mischen sich erste Störungen in das Videobild. Unsere Kollegen vom ÖVSV melden, dass einige Funker mit der entsprechenden Empfangsanlage die Signale, die von der Kamera im Ballon gesendet werden, noch eine ganze Weile weiterverfolgen können. Unseren Berechnungen zufolge müsste die Ballonhülle etwa 3 Stunden nach dem Start platzen und die Gondel am Fallschirm wieder herunter fallen. Dass sie gefunden wird, halten wir für unwahrscheinlich. Denn in der Nutzlast war diesmal kein GPS-Sender mit dabei und der Landeort könnte in unwegsamem Gebiet in den Voralpen liegen.

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Live Videobild von der Ballonkapsel

Doch es kommt anders. Bereits am selben Nachmittag, gegen 16 Uhr, erhalten wir ein Email von Familie Schoiber, die unseren „Passepartout“ tatsächlich gefunden hat. Die Überreste der geplatzten Hülle samt Fallschirm, Radarreflektor und Gondel ging in Neuzeug nieder – nur etwa 30 km vom Startplatz in Linz entfernt. Mit einem Computerprogramm, das mit den aktuellen Wetterdaten (Windstärke und -richtung) solche Flüge vorhersagen kann, machen unsere Ballon-Experten eine Vergleichsrechnung und stellen fest, dass die Software sich nur um wenige Kilometer verschätzt hat.

Nach diesem äußerst erfolgreichen Testflug freuen wir uns alle schon auf den Flug von „Passepartout V“, der am 19. Juni im Gedenken an unseren Freund und Kollegen Hannes „Capitano“ Mayer vom Grazer Lustbühel aus gestartet wird. Dabei wird eine ganze Menge interessanter Hardware an Bord sein und diesen Ballon wird das ÖWF-Team mit tatkräftiger Unterstützung des ÖVSV auch verfolgen und (hoffentlich) intakt wiederfinden.

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Befüllen

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Interviews

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Letzte Handgriffe


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Start!

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Flugbahn IVenv


Mehr Informationen

BildungsTV Beitrag zum Weltumwelttag 2010

Planetlife.TV (Quelle: Planet Media Production Gmbh)

Veranstaltungen

17-19. Februar 2012 - Integrationsworkshop ÖWF Innsbruck

Integrationsworkshop zur Vorbereitung des Dachstein Feldtestes im Suitlab Laboratory Innsbruck

15. März. 2012 - "Expedition Mars"

Gernot Grömer im Planetaium Stuttgart - Multimediavortrag mit Gernot Grömer rund um die Forschungsaktivitäten des ÖWF.

Wann: 15. März 2012
Wo: Planetarium Stuttgart

20. März 2012 - Junge Uni Innsbruck "Multi-Culti" - Raketenbastelworkshop

Von  15 bis 17 Uhr heißt es für Kinder wieder, das Weltall mit selbst gebauten Raketen zu erkunden.

12. April 2012: Yuri's Night & Polarstern-Preis Verleihung

Wie jedes Jahr feiern wir am 12. April den Erstflug von Yuri Gagarin. 2012 wird die Yuris Night im Naturhistorischen Museum in Wien stattfinden. Auch der Polarsternpreis 2012 wird im Rahmen der Veranstaltung verliehen.

Wann: 12. April 2012, 18 Uhr
Wo: Naturhistorisches Museum Wien
 

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24.Jun-02. Jul: European Space Camp 2012

Die Europäische Weltraumorganisation ESA sucht und finanziert TeilnehmerInnen für das European Space Camp 2012.

Das European Space Camp auf der nordnorwegischen Raketenbasis Andoya lädt Jugendliche im Alter zwischen 17 und 20 Jahren vom 24. Juni bis 2. Juli 2012 zur Teilnahme am Raketenstarten im Rahmen des European Space Camp 2012 ein.

Die Bewerbungsfrist läuft bis 1. April 2012.

SpaceCamp Webseite

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